Frühlings-NEWS

21. April 2019 Anderswo 0

Unsere Frühlings News schlüpfen fast zeitgerecht zu Ostern aus dem Redaktions-Ei und kommen diesmal mit einem Schwerpunkt zum Thema Mobilität. Dazu gibt es Interviews über Interviews und zum drüber streuen Interviews. Vor allem der Frage, ob und wie das denn auch ohne Auto möglich ist bei uns auf den Haitzawinkler Berggipfeln wird dabei der gebührende Platz eingeräumt.

Abseits davon grünt es wie wild – zumindest dort wo der Bagger nicht nochmal seine eisernen Zähne in die Erde geschlagen hat, auf dass der Regen besser versickere – der Eislauf-Teich ist wieder ein Schwimmteich geworden und spart fleißig auf seine Unterwasser-Begrünung und die Gemüsebeete-Saison wurde unter reger Beteiligung eröffnet.

Auch sozial bleibt es lebendig. Wo viele Menschen wohnen gibt es viele Geburtstage oder sonstigen Feierlichkeiten, gibt es viel Besuch (immer wieder auch in unserer gut ausgebuchten Gästewohnung) und viel zu besprechen.

Und an dieser Stelle möchte ich gleich auch noch für unsere, Dank der vielen HelferInnen und UnterstützerInnen, realisierte Flüchtlingswohnung den Klingelbeutel schwingen: um die  laufenden Fixkosten deckend zu tragen suchen wir noch die eine oder den anderen MikrospenderIn (mit 5,- oder 10,- Euro monatlich wäre schon super geholfen) – im Falle bitte gerne melden (info@brot-pressbaum.at)!

Bleibt uns nur noch einen wunderbaren Frühling und Sommerbeginn zu wünschen! Alles Liebe!

die B.R.O.T. Pressbaum News Redaktion (diesmal wieder Barbara, Marianne und Thomas)

AG Mobilität

Mit den Herausforderungen, ohne ein eigenes Auto im Haitzawinkel zu leben, beschäftigt sich bei uns die AG Mobilität. Wie die Arbeit der AG abläuft und welche Gedanken hinter dem Konzept des Carsharing im BROT stehen, darüber berichtet AG-Mastermind Wolfgang Kreutzer im Interview.

  • Welche Herausforderungen siehst du für die AG Mobilität in BROT ?

Nicht alle können oder wollen ihr eigenes Auto anderen zur Verfügung stellen. Viele sehe ich auch Rad fahren oder zu Fuß gehen, manche entdecken die Langsamkeit des Gehens auch im Alltag für sich, andere wiederum pendeln täglich mit dem Zug nach Wien. Die Bedürfnisse, Erfahrungen und Lebenslagen sind mit Blick auf die Mobilitätsbedürfnisse sehr heterogen. Ziel der AG ist es aber, möglichst viele Bedürfnisse in Bezug auf Mobilität unter einen Hut zu bringen, attraktive Möglichkeiten zu schaffen und Ressourcen sinnvoll zu teilen: Nach einem Jahr zeigt sich, dass das Projekt ein guter Nährboden für Mitfahrtgelegenheiten, Carsharing, privates Autoteilen,… ist.

  • Warum ist die Arbeit der AG Mobilität gerade im Haitzawinkel so wichtig?

Weil Carsharing und ländlicher Raum auf den ersten Blick nicht gut zusammengehen. Wir leben in einer Gemeinde mit außerordentlich hohem Individualverkehrsanteil, der das Zentrum ähnlich stark in Mitleidenschaft zieht wie der Durchzugsverkehr. Zum Individualverkehr gehören dann aber auch Siedlungszufahrten und -wege, die für meinen Geschmack zu stark von Autos frequentiert werden, auch die Haitzawinkelstraße. Hier, ein paar Kilometer vor den Toren der großen Stadt, steigt man für jeden Liter Milch ins Auto. Das sind höchst unökonomische und unökologische Verhaltensweisen, die paradoxerweise von einer Bevölkerung gelebt werden, die oftmals Wien verlassen hat, um der Natur näher zu sein… Zum Glück gibt’s aber dann auch Initiativen wie das E-Mobil Pressbaum oder eben unser E-Carsharingangebot, das in Kooperation mit dem Verein Fahrvergnügen betrieben wird.

  • Mit welchen Ideen hast du die AG Mobilität gestartet?

Zur Zeit der Gründung, etwa ein halbes Jahr vor Einzug, war noch vieles unbekannt. Anna und ich hatten damals, aus einem öffentlich ausgezeichnet erschlossenen Bezirk kommend, kein Auto und haben uns überlegt, wie wir weiterhin ohne Autobesitz auskommen. Mit zwei Kindern ist das im Haitzawinkel fast illusorisch. Aus einem persönlichen Anliegen wurde eines der Gemeinschaft.

Zuerst verschaffte sich die neu gegründete AG eine Übersicht: Wo sind ungenutzte Kapazitäten und Wille zum Teilen vorhanden? Wer kann sich vorstellen, weiterhin autofrei zu leben? Welche Arten des Carsharings sind realistisch und machbar. Sehr bald bin ich auf fahrvergnügen gestoßen, mit denen der Verein seit einem Jahr kooperiert und einen e-Carsharingstandort betreibt.

  • Was macht dich besonders stolz auf die Arbeit der AG?

Dass das Modell e-Carsharing positiv aufgenommen wurde, dass da eine Ladesäule steht, in die Strom fließt, der über unseren Köpfen produziert wird (PV-Anlagen auf den Dächern), dass wir mit der Raika Gunskirchen einen Sponsor für den Ladestrom gefunden haben, dass auch mehrere Mitglieder dieses Projekt dankenswerterweise unterstützt haben, die nicht darauf angewiesen waren… Da stecken viel mehr Leute dahinter als nur die Mitglieder unserer Arbeitsgemeinschaft, es war eine Kette kleiner positiver Schritte. Ich bin allen Beteiligten sehr dankbar dafür.

  • Welche Tipps hast du bezüglich eCar, Carsharing?

Für Neue: Genau kalkulieren, persönlich Schlüsse daraus ziehen, einsteigen. Abfahren.

Für alte Hasen: Dellen und Kratzer melden, Auto sauber halten, Ladevorgang überprüfen, Kindersitze zurück an die vereinbarten Plätze bringen 😉

  • Was macht an der Arbeit besonders großen Spaß?

Die AG-Arbeit ist sehr *räusper* überschaubar, wenn´s einmal läuft. Auch die Gruppe ist klein und fein und herzeigbar 😉

  • Welches wäre ein Traumfuhrpark für das BROT-Carsharing (wenn Geld keine Rolle spielen würde….)

Ein E-Car, das sechzehn Kindergartenkinder fasst, selbstreinigend. Ein Campingbus, ein kleiner Bagger (wird ja immer wieder benötigt am Grundstück) und ein starkes e-Lastenrad.

  • Wie meistert ihr als Familie mit 2 kleinen Kindern ohne eigenes Auto den Alltag im Haitzawinkel?

Wir teilen mit zwei anderen Familien einen VW Caddy und haben als Zweitauto das Carsharingauto. Fünf Erwachsene, fünf Kinder, eineinhalb Autos und drei Fahrräder, die regelmäßig in Betrieb sind. Es funktioniert.

Teilen heißt auch manchmal verzichten können. Vor allem aber planen. Sicher, das fühlt sich manchmal hart an. Gerade wenns ums Auto geht, ein Kultobjekt, das ja seit Jahrzehnten als Inbegriff der Individualität und Freiheit gilt…

Mal sehen, ob das so bleibt, wenn die jüngste Generation Carsharing nicht nur zur Tagesmutter, zur Ballet- und Flötenstunde, zum Voltigieren, zum Leichtathletik-, Kletter- und Zirkusturnenkurs soll, wenn diese Generation sodann in die Pfadfindergruppe muss, zum Chor, ins Fitnesscenter, ins Stadion, aufs Festival oder ins Kino. Und wenn sie einmal später den L17 macht, um ihren Urlaub im Anschluss mit dem Gemeinschaftsauto in Korsika verbringt. Ein Monat lang. Dann wird es Zeit, wieder an die Anfänge der AG zurückzukehren und die Bedürfnisse neu zu evaluieren…

dav

„Es geht auch ohne….“

Leben ohne eigenes Auto

Wie lebt es sich eigentlich ohne eigenes Auto in unserem Wohnprojekt? Wo die nächstgelegene S-Bahnstation zwar nicht weiter als 15 Gehminuten entfernt ist, aber der Zug nur im einstündigen Intervall bis grade mal Mitternacht fährt? Wenn der Schnee meterhoch liegt und die Straßen vereist sind, wie in unserem ersten hier erlebten Winter? Wenn man kleine Kinder zum Kindergarten und größere zum Sportverein bringen muss? Ist das überhaupt möglich?

NL hat 5 der 12 Erwachsenen die kein eigenes Auto im Haushalt haben (von insgesamt 59 volljährigen Wohnprojektlern), 5 entscheidende Fragen gestellt:

1.Wie bewegst du dich fort, welche Verkehrsmittel benutzt du zusätzlich zur Bahn und den Öffis in Wien?

Valentin (Familie mit 2 kleinen Kindern): Wir leihen uns relativ oft ein Auto aus, wobei es da immer die Schlepperei mit den Kindersitzen gibt. Sonst benutzen wir gerne das E-bike, vor allem für die Fahrt zum Kindergarten.

Johanna (Familie mit 2 Kindern): Wir nutzen vorrangig das E-car, ansonsten leihen wir uns private Autos. Wir haben die Österreichcard, das motiviert zum Bahnfahren.

Stefan (Singlehaushalt): Ich gehe hauptsächlich zu Fuß. Das E-car nutze ich nicht und Fahrrad habe ich keines. Es funktioniert gut so. Ausflüge mach ich kaum.

Maria (Paar): Ich bin beim Verein Mobil Pressbaum, benutze das E-car und habe ein Rad. Außerdem gibt es immer wieder eine Mitfahrgelegenheit.

Helmut (Paar): Mit dem E-car geht es gut. borge mir immer wieder das Auto aus. Ich bin aber vorsichtig mit Ausborgen, vor allem bei einem alten Auto, beim Unfall hat man dann schon ziemlich hohe Kosten. Ich fahre jetzt weniger Fahrrad als in Wien, gehe aber mehr zur Station. Früher bin ich regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit gefahren.

2.Warum hast du kein eigenes Auto, welchen Anteil haben ökologische oder finanzielle Aspekte?

Maria: Ich habe keinen Vergleich, da ich nicht weiß wie es sich mit Auto lebt und bin da pragmatisch: Es fallen die Fixkosten weg und viele Dinge, um die ich mich kümmern müsste

Valentin: Momentan haben wir nicht das Geld für ein eigenes Auto, so viel können wir nicht ansparen. Was ist gut am Autolos-Sein: es ist ganz gut, dass wir gezwungen sind, es auszuprobieren,

Helmut: Bin prinzipiell kein Fan von Autos, ich glaube nicht, dass Autos eine Zukunft haben. Ich finde Autos weder vom umwelttechnischen auch vom ästhetischen Gesichtspunkt her gut. Hab die ganze Zeit in der Stadt gelebt, da brauchte ich nicht unbedingt ein Auto. Der finanzielle Grund ist auf jeden Fall vordergründig, der Sohn studiert im Ausland, das würde sich einfach nicht ausgehen

Stefan: Ich habe für 1 bis 2 Jahre ein eigenes Auto gehabt, dann mit dem Bruder geteilt. In Wien habe ich entschieden, ich brauch keines mehr. Es wäre mehr Aufwand, schlecht für die Umwelt und eine finanzielle Belastung.

Johanna: Die finanzielle Belastung ist ausschlaggebend.

3. Gab es positive Erfahrungen beim Leben ohne eigenes Auto

Johanna: Wir erleben viel Vertrauen und Großzügigkeit durch die „AutoverleiherInnen“ , das ist eine schöne Erfahrung.

Maria: Durch das Mitfahren ergeben sich auch viele Begegnungsmöglichkeiten, vor allem im Winter, wenn man draußen nicht so viele Leute trifft. Auch wird man irgendwie flexibler und kreativer, man muss sich immer etwas überlegen…

Stefan: Ich gehe täglich circa 40 Min, dann kauf ich noch ein, das heißt schweres Gepäck, das sorgt für den zusätzlichen Gesundheitsfaktor.

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4. Gibt es Momente, wo man sich sehnsüchtig ein eigenes Auto wünscht?

Johanna: Im Sommer geht mir das Auto ab, zum Campen fahren, da vermisse ich es, auch bei Ausflügen.


Stefan: Im Winter wird es schwieriger, da gibt es Eisflächen im Wald und ich muss vorsichtig gehen, der Schnee macht mir nichts aus.

Helmut: Schwierig ist, dass man am Wochenende nicht so einfach einen Ausflug machen kann.

5. Welche Message habt ihr an die eure Mitmenschen?

Valentin: Es braucht noch eine bessere Infrastruktur für öffentliche Verkehrsmittel in Pressbaum und Umgebung.

Stefan: Lasst das Auto stehen, verkauft es.

Johanna: Es geht auch ohne.

Maria: Es funktioniert!

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